Handgeklöppelte Spitze war einst begehrt wie edelster Schmuck; das Tragen ein Privileg der noblen Gesellschaft: Monika Thonhauser schrieb im Verlag Tauriska in Neukirchen/Gr.Ven. ein Buch über die Geschichte der feinsten textilen Kunst – und über die europaweit beliebte Salzburger Spielart.

Unter dem Titel „Textile Landschaft Salzburg. Spitzenhafter Luxus und tägliches Brot 1600-1800“ zeigt die Salzburgerin auf, wie sich hunderte Familien im heutigen Flachgau ihr karges Brot mit Klöppeln verdienten. Im Unterschied zur ausländischen Ware entstand die „Salzburger Spitze“ aus gröberem Garn und ging für Kleidung, Tisch- und Bettwäsche vor allem an Abnehmer im Ausland. Die heimischen oberen Schichten zogen indes die italienische, flämische und französische Spitze vor. So waren die Salzburger Spitzenmacherinnen nicht nur schlecht bezahlt sondern ständig abhängig von Grenzsperren, Kriegen und Seuchen in den Nachbarländern. Wiederholt mussten die Spitzenhändler mit ihrer Buckelkraxen wegen politischer oder wirtschaftlicher Wirrnisse umkehren. Die Klöpplerinnen vieler Flachgauer Orte, wie etwa in Henndorf und Thalgau, entwickelten hohe Fingerfertigkeit und großes Können bei der Herstellung der Spitzenborten. Durch das Überkreuzen der Fadenpaare, Schläge genannt, bauten sie mit Hilfe unzähliger Stecknadeln filigrane Gewebe auf. ,„Mit Ehrfurcht denke ich an die Klöpplerinnen, die oft unter ärmsten Verhältnissen großartige Spitze kreierten“, so Thonhauser. Die studierte Kunstgeschichtlerin und Historikerin hat vor 40 Jahren die heimische Klöppeltradition wiederbelebt, Kurse gehalten, Muster aus der Versenkung geholt und mit Unterstützung des Vereins Tauriska und der Salzburger Volkskultur Klöppelmappen herausgeben. Gemeinsam mit Tauriska erwirkte Thonhauser, dass die Salzburger Klöppelei 2013 in das Österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

Je breiter die Spitze, desto einflussreicher der Träger

Der Spitzen-Hype in Europa habe, so liest man in Thonhausers Werk, in der Renaissance begonnen. Kleiderordnungen entstanden, die das Tragen von Spitze je nach Stand regelten – und das einfache Volk gänzlich ausschloss. Je höher der Rang, desto feiner und breiter durfte das Gewebe sein. Hoher Adel und Geistlichkeit hatten allein schon um den Hals oft Spitzenkrausen zum Preis eines Gutshofes. Regentin Maria Theresia ist auf einem Gemälde gar komplett in diese sündhaft teure Spitze gekleidet. Wieviele Kinder- und Frauenhände mögen wohl allein an diesem Textil geklöppelt haben! Hunderttausende lebten ab 1600 in Europa als Spitzenmacher mit Hungerlöhnen. Das Feinste, das der Kontinent bieten konnte, war die flämische Variante: Hätte man bei dieser 200 Fäden aneinandergelegt, hätte dies eine Breite von nur 1 cm ergeben. Allein für eine Manschette aus feinstem Garn brauchte eine Heim- oder Manufakturarbeiterin schon etliche Monate. Als Jahreslohn bekam sie weniger als der Händler, wenn er einen halben Meter dieser Spitzenbänder verkaufte. Ab 1800 war sie dann gänzlich arbeitslos: Dann nämlich ersetzte diese kostbare händische Kulturarbeit immer mehr die maschinell gefertigte Spitze. Das 176 Seite starke Buch ist im Tauriska-Verlag erschienen, reich bebildert und um 38 Euro zu erwerben unter www.tauriska.at

Christine Schweinöster